Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24)
Weizen. Sprachgeschichtlich lässt sich dieser Begriff vom Wort „weiß“ herleiten. Nicht nur weil die Weizenfrucht hell aussieht, das Produkt der gemahlenen Körner ist das weiße Mehl. Nachweislich gab es Weizenanbau im kanaanäischen Raum bereits in der Bronzezeit.
Allerdings reicht die Anbaugeschichte noch weitere 5000 Jahre zurück. Etwa 4 cm tief liegt das Weizenkorn in der Erde. Je nach klimatischen Bedingungen sowie der Bodenbeschaffenheit erstirbt das Korn nach reichlich drei Wochen. Der Sämling beginnt zu sprossen. Nach weiteren fünf Monaten ungefähr steht die volle Ähre auf dem Halm. Und sie trägt bis zu 40 Weizenkörner. Was für ein Wunder, das da fast unmerklich geschieht.
Dieses Naturerereignis dient nun als plausibles Bild den Landfrauen und Männern zur Zeit Jesu. Mehr als wir kannten sie sich mit dem Ackerbau aus. Auch die Jünger haben auf ihren Wanderungen anstatt des Getreide-Müsliriegels als Reiseproviant Weizenkörner aus der Ähre herausgerieben und roh gegessen. Abgesehen davon zählt der Weizen seit Tausenden von Jahren zu den wichtigsten Getreidesorten, das tägliche Brot essen zu können. Jesus bringt den Sinn seiner Passion in ein unübertroffenes Bild.
Der Liederdichter hat es gedeutet: „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt – Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“ (EG 98) Die Liebe des Einen geht für alle in den Tod. Aus dem Tod erwächst die reiche Frucht, die am Leben erhält und sättigt bis ans Ende der Zeit. Aus der schwarzen Nacht des Sterbens in der Erde steht das Leben auf, strahlend weiß wie Weizenmehl. Und aus dem Mehl wird das Brot der Liebe, das uns erhält, bis zu dem Tag, da wir selbst wie das Weizenkorn verwandelt werden, zu schauen die ewigen Himmel.