Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. (Matthäus 20,28)
Bedient zu werden, kann schön sein. Andere Menschen tun etwas für mich. Ich bedanke mich dafür und ernte dabei ein dankbares Lächeln. Die Menschen, die mich bedienen, sind nicht meine Bediensteten, sie übernehmen eine Aufgabe für mich, und sie freuen sich über ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung.
Ich selbst will nicht nur Dienste in Anspruch nehmen, ich käme mir sonst als ausbeuterisch und wie ein Sklavenhalter vor – ich oben, du unten, ich der Herr, du mein Diener. Nein, ich möchte danken, wenn mir andere gute Dienste erwiesen haben.
Dienen hat viele Gesichter. Gute Dienste geschehen auf Augenhöhe, nicht von unten nach oben. Sich ganz in den Dienst für andere zu stellen, zeichnet insbesondere Jesus von Nazareth aus. Jesus nennt sich im Wochenspruch „Menschensohn“, ich höre ihn damit zu mir sagen: Ich bin ein Mensch wie du, ich gehöre zu dir, wir gehören zusammen zur großen weltweiten Familie der Söhne und Töchter, Schwestern und Brüder. Sagt der Menschensohn und Bruder damit nicht auch etwas über die Bestimmung eines jeden Menschen aus, zu dienen und jederzeit dienstbereit zu sein, und dies als Töchter und Söhne Gottes? Mich dem Menschen, dem ich heute begegne, zuzuwenden, ohne mich aufzudrängen, aufmerksam und „in Bereitschaft“ zu sein.
Ich weiß, dass mir dies nicht immer gelingt, vielleicht öfters misslingt, und ich durch mein Verhalten irritiere. Das unterscheidet mich nun doch von dem Menschensohn Jesus. Denn seine Hingabe für seine Schwestern und Brüder bedeutet ihm so viel, dass er sogar sein Leben für sie hingibt, weil ihm ihre Erlösung, ihre Befreiung von allem, was sie ängstet und bindet, am Herzen liegt. Jesus ist der Dienende, der „Diakon“ (so das entsprechende griechische Wort) par excellence. An ihm, dem Menschen- und Gottessohn, will ich mich orientieren, von ihm will ich an jedem Tag dieser Woche lernen und meine Lebensschritte anvertrauen.